Gelebte Entwicklungshilfe : Schockierende Eindrücke aus Sri Lanka
Ursula und Ulrich Teufert berichten von ihren Erfahrungen in Sri Lanka. Mit viel Glück, Trauer und Wut im Bauch sind sie zurückgekehrt. Foto: Michael Printz
Dortmund. Drei Monate lang kümmerten sich die Dortmunder Ursula und Ulrich Teufert in Sri Lanka um Kinder und Jugendliche. Doch bei aller Herzlichkeit und Gastfreundschaft berichtet das Ehepaar nicht nur von schönen Momenten.
Glück. Trauer. Wut. Es sind gemischte Gefühle, mit denen Ursula und Ulrich Teufert aus Sri Lanka zurückgekehrt sind. Drei Monate lang leiteten sie dort einen Näh- und einen Englischkurs, wurden Zeugen rührender Herzlichkeit und Gastfreundschaft. Aber nicht nur die unfassbare Armut macht das Ehepaar betroffen: Den Einblick in eines der Flüchtlingslager können beide nur schwer in Worte fassen.
41 Flüchtlingslager
Hintergründe zum Bürgerkrieg in Sri Lanka:
- Beim Bürgerkrieg in Sri Lanka, der von 1983 bis 2009 andauerte, starben bis zu 100 000 Menschen.
- Hintergrund ist ein bewaffneter Konflikt zwischen tamilischen Separatisten und dem Militär. So fordern etwa die radikalen „Liberation Tigers of Tamil Eelam“ (LTTE) einen unabhängigen Staat für die tamilische Minderheit.
- In insgesamt 41 Flüchtlingslagern werden derzeit rund 80 000 Menschen festgehalten, die zuvor in Gebieten lebten, die die LTTE kontrollierte.
- „Die Regierung verlängert immer wieder den Ausnahmezustand, schränkt die Meinungsfreiheit und andere Menschenrechte ein“, kritisiert etwa Amnesty International.
„Ich kann nur so ruhig darüber sprechen, weil ich mich schon seit Längerem dafür interessiere, was in Sri Lanka passiert“, sagt Ulrich Teufert. Doch an diesem einen Abend im Mai, da mochten auch dem ehemaligen Presbyter der Melanchthongemeinde keine Worte mehr über die Lippen kommen.
Unterernährung, Krankheiten und Vergewaltigungen
Für zehn Minuten darf er ein Flüchtlingslager nahe der Stadt Muttur betreten. „Keine Gespräche! Keine Fotos!“ lauten die Anweisungen. Doch es sind nicht diese Auflagen, die Teufert die Kehle zuschnüren. Es sind die Zustände im Lager, die selbst mit „katastrophal“ nur unzureichend beschrieben sind: Unterernährung, Krankheiten und Vergewaltigungen prägen hier den Alltag. Nicht einmal Mülleimer gibt es.
„Was soll man denn da fragen?“, sagt Ulrich Teufert. „Na, wie geht’s?“ Der pensionierte Lehrer schüttelt langsam den Kopf. Immer noch betroffen von dem, was er gesehen hat. Mit eigenen Augen. Nicht im Fernsehen oder in der Zeitung – wo alles so weit weg zu sein scheint.
Hilfe größtenteils aus eigener Tasche bezahlt
Drei Jahre ist es her, dass Ulrich und Ursula Teufert zum ersten Mal Sri Lanka besuchten – mit dem Partnerschaftskreis Sri Lanka des evangelischen Kirchenkreises Dortmund-Mitte-Nordost. Die beiden überlegten, wie sie dem von Bürgerkrieg und Tsunami gebeutelten Land helfen könnten. Das Ergebnis: ein Nähkurs für Frauen, Englisch-Unterricht für Jugendliche. Größtenteils aus eigener Tasche bezahlt, von Februar bis Mai dieses Jahres.
„Am Anfang ging es natürlich nur zaghaft voran“, sagt Ursula Teufert. „Wir waren ja auch die einzigen Weißen dort.“ Doch die Berührungsängste fielen schnell. „Zum Beispiel an dem Tag, an dem meine Enkeltochter Geburtstag hatte und ich traurig war, dass ich nicht dabei sein konnte“, sagt Ursula Teufert. „Das haben die Mädchen sofort gemerkt. Mich an der Hand genommen, mit nach draußen genommen und für mich gesungen und getanzt. Das fand ich so tröstlich, so einfühlsam“, erzählt sie gerührt. „Das ist etwas, das wir mitnehmen wollen: dass wir genauso offen und herzlich auf andere zugehen können, wie wir es dort erlebt haben.“
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